
Sofie Dawo – Textile Experimente
Ausstellung vom 17.7.2026 bis 17.1.2027 im Kunstgewerbemuseum am Kulturforum Berlin
Sofie Dawo (1926–2010) war eine deutsche Textilkünstlerin, die 1967 an der 3. Biennale Internationale de la Tapisserie in Lausanne teilnahm. Sie betrachtete die Weberei bereits in den 1960er Jahren als eine eigenständige Kunstdisziplin, zu einer Zeit, als Weberei üblicherweise als Handwerk oder bestenfalls als angewandte Kunst angesehen wurde. In dem Buch Sofie Dawo von Kirsty Bell und Friedrich Meschede (Hatje Cantz, 2024) wird sie als „eine der bedeutendsten Vertreterinnen der Konkreten Textilkunst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts“ beschrieben.
„Ausgehend von den Prinzipien des Bauhauses, zugleich aber mit großem Mut zum Experiment, entwickelte die deutsche Künstlerin eine eigene künstlerische Position. In radikaler Abkehr von traditionellen Webentwürfen untersuchte sie die Eigenschaften sowohl bewährter als auch neuer Materialien und arbeitete dabei häufig in Serien. Durch ihre intensive Erforschung der Eigenschaften ihrer Gewebe und Materialien gelang es Dawo, die Zweidimensionalität der gewebten Fläche zu überwinden und Arbeiten mit skulpturalem Charakter zu schaffen.“
Die Publikation stützt sich auf den Nachlass ihres lange Zeit wenig beachteten Œuvres, das neben gewebten Arbeiten auch bislang unbekannte Zeichnungen umfasst. Beide Werkgruppen zeigen, in welchem Maße Sofie Dawo ihre Webkunst als eigenständige Kunstgattung verstand.
Ihre unkonventionelle künstlerische Strategie bestand in einer Verfeinerung durch Dekonstruktion, in einer radikalen Behandlung der Weberei „gegen alle Regeln“. Der Herstellungsprozess und das jeweils verwendete Material wurden auf diese Weise im Objekt selbst sichtbar. Dawo kalkulierte bewusst das Unvorhersehbare mit ein – das, was sie als entstehende Überraschungen bezeichnete. Ihre textilen Experimente sind frei von jeglicher Funktion oder Anwendung und stehen damit als eigenständige Kunstwerke für sich.
Sofie Dawo begann ihre Laufbahn an der Schule für Kunst und Handwerk in Saarbrücken. Von 1952 bis 1958 arbeitete sie als Textildesignerin für die Textilindustrie. Anschließend legte sie an der Webschule Sindelfingen ihre Meisterprüfung ab. Von 1958 bis 1961 leitete sie die Ausbildung im Bereich Weberei am Hochschulinstitut für Kunst- und Werkerziehung. Von 1958 bis 1971 leitete sie außerdem die Klasse für Weberei und Stoffdruck an der Staatlichen Werkkunstschule Saarbrücken. 1975 wurde sie zur Professorin ernannt.
Als sie sich aus der Lehrtätigkeit zurückzog, wurde ihre Textilabteilung geschlossen – eine Tatsache, die sie sehr bedauerte. Hätte sie doch gewusst, dass Textilkunst bereits 2014 zunehmend als autonome Kunst wahrgenommen werden würde und dass, ausgehend von Skandinavien, das Weben unter jungen Künstlerinnen und Künstlern wieder sehr populär werden sollte. Diese Entwicklung führte schließlich auch wieder zu mehr Textilabteilungen an Kunsthochschulen und Universitäten weltweit.
Neben Ritzi Jacobi, die aus Rumänien stammte, gehörte Sofie Dawo zu den wenigen in Deutschland tätigen Textilkünstlerinnen mit einer ausgeprägt experimentellen Ausrichtung in der Weberei. Andere deutsche Textilkünstlerinnen wie Irma Goecke (Lausanne-Biennale 1962) oder Elisabeth Kadow-Jäger (Lausanne 1965, 1967 und 1969) waren eher mit Tapisserien vertreten. Zu den weiteren frühen deutschen Teilnehmern gehörten zum Beispiel Fritz Winter(Lausanne 1962), Heinz Diekmann (Lausanne 1965) und Ferdinand Lammeyer (Lausanne 1965). Sie waren Maler, die ihre Tapisserien sehr wahrscheinlich nicht selbst gewebt hatten, und schon deshalb keinen richtigen Textilkünstler waren!
Mein Eindruck von der Ausstellung
Ich war sehr froh, Sofie Dawos Arbeiten in dieser Ausstellung erstmals in einem größeren Zusammenhang sehen zu können. Für mich bestätigt die Ausstellung, dass sie tatsächlich eine eigenständige bildende Künstlerin war, deren künstlerisches Medium das Textile war. Bislang hatte ich ihre Arbeiten nur als Einzelwerke gesehen, zum Beispiel in der Ausstellung Kunst Stoff. Textilien als Material der Kunst in Emden, die vom 16. September 2023 bis zum 28. Januar 2024 gezeigt wurde (siehe meinen Blog).
















