Die 8. Internationale Biennale für zeitgenössische Textilkunst WTA

Vaishali Oak, India:“Time“, 2019; 270 x 183 cm; fabric collage; fabric; photo Beatrijs Sterk

Diese Biennale fand vom 17. September bis zum 17. November 2019 in Madrid statt. Veranstaltungsorte waren das Kostümmuseum, das Museum of the Americas, das Complutense Art Center, die Fakultät für Bildende Künste und der Königliche Botanische Garten. Frühere WTA Biennalen fanden alle in Lateinamerika statt, die letzte in Montevideo im Jahr 2017 (siehe meinen Bericht). Die Initiatorin dieser WTA Veranstaltungen, die kolumbianische Künstlerin Pilar Tobon, schrieb im Katalog: „Ich möchte sagen, dass all dies ohne das Vertrauen in unsere Vorschläge sowie die Unterstützung und Zusammenarbeit vieler Künstler, die an diese Initiative geglaubt haben, nicht möglich gewesen wäre“. Es geht nicht nur um textile Kreationen, die als zeitgenössische Kunst mit unterschiedlichen Techniken und Materialien variiert werden, sondern es geht um eine besondere Verbindung, die Künstler und Freunde zusammen gebracht hat, die sich auf selbstverständliche Weise integriert haben und deren Annäherung eine der wichtigsten Erfahrungen der Biennale ist. Das für diese Veranstaltung gewählte Thema „Die nachhaltige Stadt“ wurde in den verschiedenen Kunstwerken im Hinblick auf die Natur und/oder die Zukunft umgesetzt.

Wie üblich gab es eine Ausstellung mit eingeladenen Künstlern mit einer internationalen und einer spanischen Sektion namens „Die Essenz der Textilkunst„. Die Kuratorin dieser Ausstellung war Maria Ortega, die ich für ihren Enthusiasmus und ihren unermüdlichen Einsatz bewundere und die diese Biennale noch einmal auf eine andere Ebene gehoben hat.
Von den Arbeiten in dieser Ausstellung gefielen mir besonders das poetische „Die Bande“ von Raija Jokinen aus Finnland und die goldfarbene Spitze „Feld der Begierde“ von Ieva Krumina aus Lettland. Außerdem gab es eine bemerkenswerte, sehr feine Stickerei „Der Tanz“ von Zhang Minjie aus China; die gefilzten Füsse „Flower Power“ von laima Laima Oržekáuskienė aus Litauen; die Papierarbeit „Liebesbriefe“ von Magdalena Sobon aus Polen und die farbenfrohe Collage „Die Zeit“ von Vaishali Oak aus Indien.
Bei den spanischen Teilnehmern war ich begeistert von der Arbeit „Magische Ideen“ von Maria Muñoz, die in diesem Jahr den Aurelia-Muñoz-Preis erhielt. Außerdem gefielen mir „Lecho de vida“ von Maria Jesus Manzanares Serrano und „Fieltro Rojo“ von Sonia Navarro. Natürlich gab es noch viele weitere Werke, die herausragend waren, aber die genannten Werke blieben mir am meisten im Gedächtnis.

Aus der Ausstellung „Grand Format“ erinnere ich mich an die folgenden hervorragenden Arbeiten: Das Werk, das den ersten Preis erhalten hat, „Ohne Titel“ von Malou Zryd aus der Schweiz; „Exceso“ von Consuelo Walker; „El hilo de la historia“ von Juliana Uribe Villa aus Kolumbien, der ersten Preisträgerin aus Montevideo; „Leuchtkraft“ von Cindy Barbone/USA; „Ladies in Lab Coats“ von Marie Bergstedt /USA; „Welt der Kontraste“ von Soile Hovila aus Finnland; „Stadtmauern“ von Baiba Osite aus Lettland und „Ein perfekter Tag“ von Anastasiia Podervianska aus der Ukraine, die den dritten Preis gewann.

Die Ausstellung „Grand Format Exterior“ hatte einige gute Werke. „Matriz de aqua“ von Lucia Loren aus Spanien gewann den 1. Preis, die Arbeit „El atoja infinito“ von Greta Kardisiuté/Lithuania, die ich für noch besser hielt, errang den 2. Preis. Monique Lehman /USA erhielt eine Honourable Mention für ihre „Life Plants“. Außerdem gefiel mir die Arbeit „Sonar“ von Yosi Anaya/Mexiko, in der sie vorschlägt, dass in einer nachhaltigen Stadt auch Träume einen Platz haben sollten!

Die Ausstellung im Kleinen Format hat mich nicht so sehr überzeugt wie beim letzten Mal in Montevideo, aber ich war mit zwei Preisvergaben einverstanden und zwar mit dem ersten Preis für „Schwimmende Oase“ von Makiko Wakisaka/Japan und dem 3. Preis für „Besetzt“ von Gabriele Wehrmeyer/ Deutschland. Mir gefiel auch die Arbeit „Tejiendo la pared y el piso“ von Elke Hulse aus Brasilien, die eine lobende Erwähnung erhielt.

Mein allgemeiner Eindruck ist, dass die WTA Biennale jedes Mal besser wird, wenn sie an einem neuen Veranstaltungsort stattfindet. Angefangen als Organisation „Women in Textile Art (Frauen in der Textilkunst)“ mit Fokus auf Lateinamerika wurde sie mehr und mehr zur „World Textile Art“ Organisation, die sie heute ist, mit einem hohen Standard der Einsendungen, Kuratoren und Juroren. Auch das Ziel, lateinamerikanische Textilkünstler an den (hauptsächlich weißen West-orientierten) Mainstream heranzuführen, ist auf jeden Fall erfolgreich: Einige neue Stars sind auf unserem Textilfirmament zu sehen!

Beatrijs Sterk

Die Essenz der Textilkunst
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Raija Jokinen, Finland: „A Gang“, 2018; 54 x 82 cm; fiber drawing, machine stitchery; linen, sewing thread; photo Beatrijs Sterk
Ieva Krumina, Latvia:“Field of Desire“, 2016, 102 x 173 cm; golden and molten plastic waste; polyethylene tape, acrylic, metal pigments; photo Beatrijs Sterk
Sue Stone, UK: „RIP GrimsbyST E2 version 2“,2013; 69 x 100 cm; hand and machine embroidered, painted; cotton/ linen fabric, cotton thread, acrylic paint; photo Beatrijs Sterk
Hiroko Watanabe, Japan: „For an ecological and sustainable future“, 2019;130 x 240x x20 cm; Washi (Japanese paper), felt, fabric; photo Beatrijs Sterk
Laima Oržekáuskienė/Lithuania:“ Flower Power“, 2000; 20 x 18 cm; stitched ; paper, parchment, hair; photo Beatrijs Sterk
Magdalena Sobon, Poland: „Love Letters“, 2019; 160 x 200 cm;handmade paper; pine cellulosa; photo Beatrijs Sterk
Zhang Minjie, China:“Dance“,2018; 50 x 800 cm; embroiderx, silk thread and silk fabric; photo Beatrijs Sterk
Maria Jesus Manzanares Serrano, Spain:“Lecho de vida“, 2018, detail, 163 x 150 cm; mixed cotton mattress fabrics; photo Beatrijs Sterk
Sonia Navarro, Spain:“Fieltro Rojo I y II“, 2012; 195 x 112 cm; sewn felt , wool and fabric; photo Beatrijs Sterk


Ausstellung „Grand Format“
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Malou Zryd, Switzerland: Without title , 2017/ 2019; 150 x 160 cm; stitching; metal and polyester thread; recovered fabricss; photo Beatrijs Sterk
Ceci Arango, Colombia:“ BasurOro „, 2017; second Prize ,detail, 280 x 200 x 80 cm; woven into multiple braid; recycled aluminium cans; photo Beatrijs Sterk
Baiba Osite, Latvia: „Murrallas de cludad“, 2019; 130 x 175 x 3 cm; canvas and wood; photo Beatrijs Sterk
Visitor in front of work by Grethe Sørensen, Denmark:“Color spots/ Traces of Light“, 2014;162 x 248 cm; digital Jacquard weaving; organic cottons; photo Beatrijs Sterk
Soile Hovila, Finland: „World of Contrasts“2017,; 130 x 162 cm;tapestry technique; linen, wool, synthetic fiber; photo Beatrijs Sterk
Ane Henriksen; Denmark: „Crecimiento urbano“, 2019; 260 x 150 cm; used gloves and mittens; photo Beatrijs Sterk
Caron Frowein, Canada:“Cruzando el sol“, 2019; 143 x 176 cm; tapestry technique; silk, linen and wool; photo Beatrijs Sterk
Association Potakin France: „Nuestra jardín bordado“, 2018/ 2019; 150 x 94 cm; textile painting, patchwork, embroidery; fabric, thread, buttons, pearls, sequins; photo Beatrijs Sterk
Cathy Gatley, USA:“People, People Everywhere and Occasionally some Peacocks, Ducks and Cats“, 2019; 178 x 97 cm; sewing on canvas; wool canvas; photo Beatrijs Sterk
Consuelao Walker, Chile: „Exceso“, 2017; 180 x 90 cm; 25.000 pins, fabric; photo Beatrijs Sterk
Anneke Klein, Netherlands:The City’s Social Newspaper – a Sustainable Society in Words and Patterns; woven , stitched; cotton , linen, silk; photo Beatrijs Sterk
Anneke Klein, Netherlands:The City’s Social Newspaper – a Sustainable Society in Words and Patterns, 2019; woven , stitched; cotton , linen, silk; photo Beatrijs Sterk
Cindy Barbone,USA:“Luminosities“, 2014; 147 x 212 cm; woven (Inlay), linen; photo Beatrijs Sterk
Juliana Uribe Villa, Colombia:“El hilo de la historia“, 2019; 110 x 128 cm; unraveling, fabric made from recycled pet bottles and waste textiles ; photo Beatrijs Sterk
Juliana Uribe Villa, Colombia:“El hilo de la historia“, 2019; 110 x 128 cm,detail; unraveling, fabric made from recycled pet bottles and waste textiles ; photo Beatrijs Sterk
View at the exhibition Large Format Textile Art Salon; photo Beatrijs Sterk
Anastasia Podervianska Ukraine: „Dia perfecto“, 2018; hand and machine embroidery, printed collage; photo Beatrijs Sterk

 

Ausstellung „Grand Format Exterior“
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Lucia Loren, Spain: „Matriz de aqua“, 2019; rund gewebt; material wicker; photo Beatrijs Sterk
Greta Kardisiuté, Lithuania:“El atajo infinito“, 2019; 340 x 700 cm; wooden sticks; photo Beatrijs Sterk
Yosi Anaya, Mexico: „Sonar“2019; variable dimensions,150 x 150cm, 200 x 30cm; part of the „Outdoor“ exhibition; photo Beatrijs Sterk
Natalia Tsvetkova, Russia:“ Butterflies“, woven, part of the Large Format Outdoors exhibition“; photo Beatrijs Sterk

Ausstellung im Kleinen Format
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Makiko Wakisaka, Japan:“floating oasis“ 1st Prize, 2018; 20 x 20 x 17 cm; hand embroidery; Chinese lantern plant, nylon thread; photo Beatrijs Sterk
Gabriele Wehrmeyer, Germany: „Besetzen (Occupy)“ 3rd Prize, 2019; 20 x 20 x 20 cm;mixed technique; concrete, silk, merino and angora wool; photo Beatrijs Sterk
Mami Idei, Japan: „Cómo“, 2018 ; 19 x 19 x12 cm ;knitting; rayon, weinkorken ; photo Beatrijs Sterk
Elke Hulse, Brasil: „Tejiendo la pared y el piso ( Weaving the Wall and the Floor)“, Honorable Mention, 2017; 20 x 20 x x20 cm; tapestry technique; cotton , felt, cardboardd; photo Beatrijs Sterk
June Lee, Korea:“Viewer“, 2018; 24 x 5 x 4 cm; rolled; thread resin, glue ; photo Beatrijs Sterk