Yayoi Kusama

Yayoi Kusama: „Infinity Mirror Room: Gleaming Lights of the Souls“, 2008 ; photo Beatrijs Sterk

Am 22. März 2019 wurde die bekannte japanische Künstlerin Yayoi Kusama 90 Jahre alt, was vom Museum Voorlinden bei Den Haag mit einer Ausstellung gefeiert wird, die noch bis zum 1. September 2019 zu sehen sein wird. Die Tatsache, dass Halluzinationen die Künstlerin zwingen, in einer Nervenheilanstalt zu leben, hindert ihren Schaffensdrang in keiner Weise. Mit Hilfe von Assistenten bemalt sie weiterhin große Leinwände mit ihren durchlaufenden Mustern, die so sehr „textil“ anmuten. Ihr Markenzeichen sind Polka Dots, runde Punkte, die sie auf Leinwände, Skulpturen und Menschen malt. 2017 hat die Künstlerin sogar ein eigenes Museum in Tokio eröffnet! Es heisst, dass Yayoi Kusama die bekannteste lebende Künstlerin sei. Zur weltweiten Bekanntheit gelangte sie 1966, als sie nicht zur Biennale von Venedig eingeladen wurde, aber stattdessen ihre Installation „Narcissus Garden“ mit 1500 silbern spiegelnden Kugeln vor dem Eingang der Biennale aufbaute. Die Kugeln konnten von den Besuchern erworben werden, was schließlich polizeilich unterbunden wurde. Aber da war sie schon die Künstlerin der Biennale, über die am meisten gesprochen wurde!

Das Museum Voorlinden, eines der schönsten Museen für moderne Kunst in den Niederlanden, sammelt ihre Kunst seit Jahren. In der jetzt stattfindenden Ausstellung werden mehrere Schlüsselarbeiten von Yayoi Kusama sowie einige Leihgaben von privaten Sammlern gezeigt. Als besonderes Ausstellungsstück gilt der „Infinity Mirror Room: Gleaming Lights of the Soul“ von 2008, womit Kusama versucht, den Begriff der Unendlichkeit zu verwirklichen. Die Besucher werden einzeln in einen Raum geführt, der ganz abgedunkelt ist. Mittels Licht und Spiegelungen entsteht das Gefühl der Grenzenlosigkeit im von der Künstlerin erschaffenen Universum. Das Erlebnis macht einen spielerischen Eindruck, man wird wieder zum Kind und staunt. Dabei ist dieser endlose Raum gar nicht besonders groß. Es ist die Fantasie des Betrachters, die den Raum unendlich erscheinen lässt.

Eine weitere Arbeit in der Ausstellung ist „Pumpkin„, ebenfalls aus dem Jahr 2008, ein zwei Meter hoher Kürbis in schwarz mit gelben Punkten, hergestellt nach einer Halluzination eines sprechenden Kürbis aus der Kindheit der Künstlerin. Von ihren neuesten Arbeiten der „My Eternal Soul“-Reihe ist „I am dying now, there the death“ von 2014 zu sehen. Es heisst, dass Kusama ohne vorherigen Plan mit Motiven wie Punkten, Netzen, Augen und Blumen malt. Neue Ideen brodeln in ihren Gedanken, die sie ohne zu zögern umsetzt. Der bereits erwähnte „Narcissus Garden“ ist zusammen mit „Infinity Nets“ von 2010 zu sehen. Letztere Arbeit stellt die Reflexion der Sonne auf dem unendlichen Ozean dar, gesehen durch ein Flugzeugfenster. Natürlich fehlen auch die Polka Dots nicht, wie zum Beispiel in der Arbeit „Dots“ von 1999. Es heisst, dass die Künstlerin als kleines Mädchen einmal das Erlebnis hatte, dass Blumen auf einem Feld zu ihr zu sprechen begannen. Die Blumen waren wie ein unendliches Meer voller Punkte. Für Kusama ist ihre Malerei eine Möglichkeit, ihre Ängste zu überwinden. Die Arbeit „Invisible Life“ aus den Jahren 2000 bis 2001 ist eine Kombination aus den Silberkugeln und den Punktmustern. Man betritt ein Labyrinth aus halbkugelförmigen Spiegeln, die als Punkte angebracht sind, und damit eine andere Welt – die grenzenlose Welt der Künstlerin.

Wer die Arbeiten sehen möchte, ohne dafür nach Holland zu fahren, dem sei das Buch „Yayoi Kusama“ von Catherine Taft empfohlen. Es kam 2017 bei Phaidon Press heraus und ist für circa 72 Euro bei Amazon erhältlich (gebraucht sogar für weniger als die Hälfte).
Beatrijs Sterk

Yayoi Kusama: „Dots“, 1999, collection Voorlinden ; photo Beatrijs Sterk
Yayoi Kusama: „Infinity Nets“, 1989, painting and „Narcissus Garden“ 1966-2010, installation at the Voorlinden Museum ; photo Beatrijs Sterk

 

Yayoi Kusama: „Infinity Mirror Room: Gleaming Lights of the Souls“, 2008 ; photo Beatrijs Sterk
Yayoi Kusama: „Infinity Mirror Room: Gleaming Lights of the Souls“, 2008 ; photo Beatrijs Sterk
Yayoi Kusama: „Pumpkin“, 2009, collection Voorlinden ; photo Beatrijs Sterk
Yayoi Kusama: “ I am dying now, there the death“, 2014, painting ; photo Beatrijs Sterk
Yayoi Kusama: “ Invisible Life“, 2000 – 2001, installation Voorlinden Museum, labyrinth; photo Beatrijs Sterk
Yayoi Kusama: „Accreations IV“, 1967, painting ; photo Beatrijs Sterk