Johanna Schütz-Wolff: Expressive Bildteppiche und Grafik

Johanna Schütz-Wolff: Liegende,(recumbant woman) 1924, Wolle; Leinen- und Köperbindung, gestickte Kontouren (wool; tabby and twill, embroidered contours )
Johanna Schütz-Wolff: Liegende,(recumbant woman) 1924, Wolle; Leinen- und Köperbindung, gestickte Kontouren (wool; tabby and twill, embroidered contours )

Ausstellung von 1.Oktober bis 13 November at Schloss Wildgrad 15 km nördlich von Schwerin, organisiert vom Kunstverein Schwerin.plakat-wiligrad-per-email

In meinem Blogbeitrag zur Ausstellung von Johanna Schütz-Wolff in Leipzig schrieb ich:
Johanna Schütz-Wolff ist eine der zu Unrecht von der Geschichte fast vergessenen Künstlerinnen, die anfänglich grössere Erfolge feiern konnte als zum Beispiel Anni Albers oder Gunta Stölzl. Sie erhielt für ihren Wandbehang „Die Liegende“ eine Silbermedaille bei der in 1928 stattfindenden Ausstellung „Deutsche Kunst“ im Kunstpalast Düsseldorf. Ende 1929 nahm sie an der Ausstellung „Moderne Bildwirkereien“ teil, die von dem Galeriedirektor und Kunsthistoriker Ludwig Grote im Kunstverein Dessau mit dem Zweck, „die Bildwirkereien aus ihrer Verbannung ins Kunstgewerbe herauszuführen“, organisiert wurde. Anschliessend wanderte diese Ausstellung durch neun deutsche Städte. Hier hingen Teppiche von Ernst Ludwig Kirchner, Karl Schmidt-Rottluff, Hans Arp, Wenzel Hablik, Anni Albers und Gunta Stölzl. Auf Ludwig Grote machte die Arbeit von Johanna Schütz-Wolff den stärksten künstlerischen Eindruck. Ihr Männerakt wurde eine Sensation!

Als Schlussbemerkung fragte ich mich, was wohl aus der deutschen und der internationalen Textilkunst geworden wäre, wenn es das „Tausendjährige Reich“ nicht gegeben hätte. Erst in den 60er Jahren kehren die neuen Webprinzipien von damals wieder zurück, und zwar in den USA: Dass der Künstler selbst webt, dass die Arbeit Material- und Werkgerecht sein sollte, dazu die Kraft des Experiments und der abstrahierten Gestaltung. Dies gilt heute als der Beginn der Weberei als eigenständiger Kunstform. Dabei hat es vergessene Vorläufer gegeben, Johanna Schütz-Wolff war wohl eine der Wichtigsten davon!

Jetzt sind die Arbeiten dieser aussergewöhnliche Künstlerin im Norden Deutschlands zu sehen. Wer es möglich machen kann sollte sich die Ausstellung ansehen!poster_exhibition

Johanna Schütz-Wolff; Bildteppich „Der Tote“ (Fragment); Schwabendorf bei Marburg, 1930; Wolle, Leinen- und Köperbindung, gestickte Konturen; Höhe: 220 cm, Breite 210 cm; ©Nachlass Johanna Schütz-Wolff
Johanna Schütz-Wolff; Bildteppich „Der Tote“ (Fragment); Schwabendorf bei Marburg, 1930; Wolle, Leinen- und Köperbindung, gestickte Konturen; Höhe: 220 cm, Breite 210 cm; ©Nachlass Johanna Schütz-Wolff