
Contextile – „By a Thread“ (Am seidenen Faden) –
Bericht von Lala de Dios
Unter dem Motto „By a Thread“ (Am seidenen Faden) lädt Contextile, die Biennale für zeitgenössische Textilkunst, die noch bis zum 29. November in Guimarães zu sehen ist, dazu ein, über unsere Gegenwart nachzudenken – eine Zeit, die von ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Krisen geprägt ist. Dabei wird die Kunst als Mittel des Widerstands, der Fürsorge und der Gestaltung neuer Zukunftsperspektiven verstanden. Der „Faden“ steht hier symbolisch für die Zerbrechlichkeit unserer Welt, aber auch für ihre Fähigkeit zur Erneuerung und Neuerfindung.
Wie Janis Jefferies im Katalog der Biennale treffend feststellt:
„Doch inmitten dieser Herausforderungen liegt auch eine Verheißung – die Möglichkeit, unsere Zukunft neu zu denken, unsere Institutionen zu erneuern und anzupassen und neue Geschichten darüber zu entwickeln, wer wir sind und was wir wertschätzen. Künstlerinnen und Künstler, die mit unterschiedlichsten Medien arbeiten, stehen aus verschiedenen Perspektiven an vorderster Front dieses kulturellen Widerstands.“
Die Internationale Ausstellung, die während aller acht Ausgaben von Contextile eine zentrale Rolle im künstlerischen Programm gespielt hat, verzeichnete bei ihrer offenen Ausschreibung erneut einen Teilnahmerekord: 1.604 Künstlerinnen und Künstler aus 80 Ländern reichten insgesamt 2.036 Arbeiten ein – so viele wie nie zuvor. Die multidisziplinär zusammengesetzte Jury mit Lala de Dios, Lewis Biggs, Magali Junet, Magda Soboń, Susana Pires und Cláudia Melo wählte 54 Werke von 51 Künstlerinnen und Künstlern aus 27 Ländern für die Ausstellung aus.
Als Gastkünstler wurde der international bekannte chinesische Künstler und Denker Ai Weiwei eingeladen. Neben seiner Ausstellung Fabrication im Centro Internacional das Artes José de Guimarães zeigt er mit Camouflage und Nets zwei Installationen im öffentlichen Raum. Beide beziehen sich auf Textilien, die derzeit in der Ukraine zum Schutz der Bevölkerung vor Drohnen eingesetzt werden. Damit beweist Ai Weiwei einmal mehr, dass die Kunst überall und in allem Schönheit und Bedeutung entdecken kann.
In diesem Jahr gibt es keine Ausstellung eines Gastlandes. Stattdessen wird die Ausstellung A Change in the Weather? Material Storytelling in an Age of Uncertainty (Ein Wetterumschwung? Materielles Erzählen in einer Zeit der Unsicherheit) präsentiert. Die von Janis Jefferies kuratierte Ausstellung zeigt Arbeiten von Jakkai Siributr (Thailand), Movana Chen (Hongkong), Simon Callery (Großbritannien), Taloi Havini (Papua-Neuguinea) und Teresa Lanceta (Spanien). Die Werke sind über verschiedene Orte der Stadt verteilt, ebenso wie die Ergebnisse der Artist-in-Residence-Programme. Diese Künstlerresidenzen gehören seit der ersten Ausgabe zu den Besonderheiten, durch die sich Contextile von anderen Biennalen unterscheidet.
In Fortsetzung einer Initiative früherer Ausgaben wurden auch diesmal wieder Kunsthochschulen mit textilbezogenen Studiengängen eingeladen, ihre Studierenden dazu anzuregen und herauszufordern, kritisches Denken durch ihre künstlerische Praxis zum Ausdruck zu bringen.
Neu in dieser Ausgabe ist das Projekt Growing House des Fiber Media Lab, an dem Studierende der China Academy of Art in Hangzhou beteiligt sind. Kuratiert wird das Projekt von Assadour Markarov.
Und es gibt noch viel mehr zu entdecken – zu viel, um alles, was es zu sehen und zu erleben gibt, in wenigen Zeilen zu beschreiben.
Contextile hat sich längst als internationaler Bezugspunkt im Bereich der Textilkunst etabliert und behält dabei stets die Entwicklungen der zeitgenössischen Kunst im Blick. Hinzu kommt, dass die Biennale in der wunderschönen historischen Stadt Guimarães stattfindet, deren Altstadt zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört.
Damit ist Contextile ein Ereignis, das sich Künstlerinnen und Künstler, Kuratorinnen und Kuratoren, Studierende und überhaupt alle, die sich für Textilkunst interessieren, nicht entgehen lassen sollten.
Lala de Dios 13 October, 2026

















20.Third Prize. Raul Martínez, United States of America. Parabellum (Map#3, 9mm, Guatemala). Ongoing series. 9mm bullet casings collected in Guatemala. Hand-woven rug; photo Contextile

