
Soft Power – Die Warschauer Wurzeln der Polnischen Textilkunstschule
Ausstellung in der Galeria Salon Akademii, Akademie der Bildenden Künste Warschau
7. Februar – 6. März 2026
Die Ausstellung “Soft Power – Die Warschauer Wurzeln der Polnischen Textilkunstschule ” zeichnet die Entwicklung der polnischen Textilkunst von ihren radikalen Anfängen in den 1960er- und 1970er-Jahren bis hin zu zeitgenössischen Positionen nach. Sie versteht Textil nicht nur als künstlerisches Medium, sondern als Träger von Identität, Bedeutung und kulturellem Einfluss – das, was die Kuratorinnen und Kuratoren als „Soft Power“ bezeichnen.Im Zentrum der Ausstellung steht die Rückbesinnung auf einen Moment tiefgreifender Transformation. Als polnische Künstlerinnen und Künstler 1962 ihre Arbeiten auf der Biennale in Lausanne präsentierten, erklärten internationale Kritiker, „die Textilkunst der Zukunft wurde in Polen geboren“. Das war keine Übertreibung. Künstlerinnen und Künstler wie Magdalena Abakanowicz und ihre Zeitgenossen definierten das Medium grundlegend neu, befreiten es von dekorativen und utilitären Funktionen und erhoben es in den Bereich der freie Kunst. Sie stellten jahrhundertealte Hierarchien infrage, erkundeten die Materialität und entwickelten eine völlig neue Bildsprache – eine, die haptisch, räumlich und eng mit dem Körper sowie organischen Prozessen verbunden ist.
Die Ausstellung zeigt überzeugend, wie Textil zu einem kraftvollen Medium des Erzählens wurde, das Themen wie Identität, Körperlichkeit, Transformation und sogar politischen Widerstand verhandeln kann. Seine inhärenten Eigenschaften – Weichheit, Fragilität und Vergänglichkeit erscheinen dabei nicht als Einschränkungen, sondern als Stärken, die vielschichtige und emotional aufgeladene Narrationen ermöglichen. Besonders auffällig ist jedoch der Kontrast zwischen den historischen Arbeiten und den zeitgenössischen Positionen. Meiner Ansicht nach liegt die eigentliche revolutionäre Kraft eindeutig bei der älteren Generation. Künstlerinnen und Künstler der 1960er- und 1970er-Jahre – darunter Abakanowicz, Emilia Bohdziewicz, Wojciech Sadley, Jolanta Owidzka,Eleonora Plutyńska, Barbara Levittoux-Świderska,Barbara Falkowska und Krystyna Wojtyna-Drouet – arbeiteten mit Textil auf eine Weise, die tatsächlich bahnbrechend war. Ihre Arbeiten waren mutig, experimentell und konzeptuell radikal, getragen von der Notwendigkeit, sowohl das Medium als auch seine Bedeutung neu zu definieren.
Im Vergleich dazu wirken viele der zeitgenössischen Arbeiten, trotz konzeptueller Reflexion, weniger dringlich. Sie scheinen sich häufig innerhalb einer bereits etablierten Sprache zu bewegen anstatt deren Grenzen weiter zu verschieben. Die Ausstellung stellt die Frage nach Kontinuität, offenbart jedoch zugleich eine gewisse Lücke: Was einst eine revolutionäre Geste war, ist heute teilweise zur ästhetischen Konvention geworden. Dies schmälert jedoch nicht die Relevanz der Textilkunst in der Gegenwart – im Gegenteil: Ihr Wiederaufleben in der zeitgenössischen Kunst und ihre Präsenz auf großen Kunstmessen unterstreichen ihre anhaltende Bedeutung. Dennoch erinnern die historischen Werke daran, dass diese Relevanz hart erkämpft wurde. Die Pionierinnen und Pioniere der Polnischen Textilkunstschule haben das Medium nicht nur erweitert, sondern grundlegend verändert. Letztlich bekräftigt die Ausstellung Warschau als einen zentralen Ort der Textilkunst und zeigt zugleich, dass ihre größte Stärke weiterhin in ihren Ursprüngen liegt. Die „Soft Power“ der Textilkunst wird dort am deutlichsten spürbar, wo sie ursprünglich radikal war – wo Material zur Sprache wurde und Weichheit zu einer form des Widerstands




Work from the collection of the Central Museum of Textiles in Łódź
International Tapestry Biennale in Lausanne, 1965; photo: Beatrijs Sterk


7th International Triennial of Tapestry in Łódź, 1992; photo: Beatrijs Sterk







The rainbow curtain is an in-between material—between the main room and the kitchen, the corridor and the entryway. Hung in rural houses, it both closes off and invites in. The strips—connected in the simplest flat weave—form a highly disciplined and surprisingly geometric pattern; photo: Beatrijs Sterk
