{"id":1508,"date":"2014-06-28T11:25:10","date_gmt":"2014-06-28T10:25:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.textile-forum-blog.org\/?p=1508"},"modified":"2014-11-30T18:03:09","modified_gmt":"2014-11-30T17:03:09","slug":"textile-art","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.textile-forum-blog.org\/de\/2014\/06\/textile-art\/","title":{"rendered":"Die Textilkunst"},"content":{"rendered":"<p><figure id=\"attachment_1534\" aria-describedby=\"caption-attachment-1534\" style=\"width: 800px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1534\" alt=\"Rebecca Medel: \" src=\"https:\/\/www.textile-forum-blog.org\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/Medel_Detail.jpg\" width=\"800\" height=\"450\" srcset=\"https:\/\/www.textile-forum-blog.org\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/Medel_Detail.jpg 800w, https:\/\/www.textile-forum-blog.org\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/Medel_Detail-300x168.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1534\" class=\"wp-caption-text\">Rebecca Medel: &#8220;1000 Kannons&#8221;,1987\/89, detail;shown at the 14th Lausanne Biennial<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Es gibt kaum einen schillernderen Begriff als den der TEXTILKUNST!<br \/>\nWir Kinder der Nachkriegszeit sind mit den Lausanne-Biennalen aufgewachsen, die wir als Textilkunstveranstaltungen wahrgenommen hatten. Es waren spannende Pr\u00e4sentationen textiler Provenienz, die sich auf der B\u00fchne einer Tapisseriever-anstaltung abgespielt hatten. Das war in einer Zeit, in der das Kunstverst\u00e4ndnis in Frage gestellt wurde und sich die Frauenemanzipation beschleunigte.<br \/>\nDennoch erwies sich das Wort Textilkunst selbst als br\u00fcchig. F\u00fcr konservative Geister lag die Betonung auf \u2018Kunst\u2019, w\u00e4hrend die ins Rampenlicht tretenden Frauen ihre textilen Besch\u00e4ftigungen zu professionalisieren begannen.<br \/>\nIm zweiten Jahr der Existenz unserer Zeitschrift sahen wir uns zu der Feststellung gen\u00f6tigt, dass Textil kein Stoff sei (TF 2\/1983, S. 1). Denn in der Tat ist Textil weder ein Material noch eine Technik, sondern eine Weise des Herstellens mittels biegeschlaffer Materialien und eigener Techniken, vergleichbar der Architektur, deren Resultate auch aus (vergleichbar festem) Material mittels bestimmter Techniken hergestellt werden, ohne selbst Material oder Technik genannt zu werden. Diese Besonderheiten sind es, Textil und Architektur nicht einem Selbstzweck zuzuordnen, den man mit \u2018Kunst\u2019 verbinden kann. Denn diese Disziplinen sind immer funktional; sie repr\u00e4sentieren auf unaufl\u00f6sliche Weise immer K\u00f6rper und Geist.<br \/>\nWer Textil als ein Material versteht und entsprechend benutzt, entfremdet es seines Sinnzusammenhangs und erstellt bestenfalls ein Kunstwerk. Dann allerdings ist das Textile an der Kunst unwesentlich und der Name Textilkunst irref\u00fchrend.<\/p>\n<p><strong>DIE VORGESCHICHTE HEUTIGER TEXTILKUNST <\/strong><br \/>\nMan kann vermutlich davon ausgehen, dass sich das Textile parallel zur menschlichen Sprache entwickelt hat. Text und Textil sind ihrer Herkunft nach sprachverwandte Begriffe. Die Kulturwissenschaften betrachten die textilen K\u00fcnste quer zur jeweiligen Nutzanwendung als Zivilisationsleistungen, nur dass sie sich anders als beispielsweise Keramik und Geb\u00e4ude \u00fcber die Zeiten weniger erhalten haben.<br \/>\nIn j\u00fcngerer Zeit und unter heutigem Kunstverst\u00e4ndnis sind Textilien w\u00e4hrend der Arts &amp; Crafts-Bewegung und in der Zeit des Jugendstils als Bestandteile des Gesamtkunstwerks, der Einheit von Architektur und Inneneinrichtung, ins Blickfeld geraten. Auch w\u00e4hrend der russischen Revolution gab es die Tendenz zur R\u00fcckkehr der Kunst in den allt\u00e4glichen Gebrauch. Nach dem 1. Weltkrieg propagierte das Bauhausmanifest: \u201eArchitekten, Bildhauer, Maler, wir alle m\u00fcssen zum Handwerk zur\u00fcck! Denn es gibt keine Kunst von Beruf.\u201c Die Funktionalit\u00e4t von Textilien wurde im Bauhaus neu hinterfragt und die Jacquardtechnik wieder f\u00fcr die Vervielf\u00e4ltigung bildk\u00fcnstlerischer Darstellungen verwandt. In der Gestaltung war ein Klima der Offenheit und Experimentierfreude entstanden, das nach dem Exodus der Bauh\u00e4usler aus Nazi-Deutschland (\u00fcberwiegend in die USA) im Ausland auf fruchtbaren Boden fiel.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1548\" aria-describedby=\"caption-attachment-1548\" style=\"width: 452px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-1548 \" alt=\"Claire Zeisler: Fiber sculpture, 1978\" src=\"https:\/\/www.textile-forum-blog.org\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/clairezeisler19781.jpg\" width=\"452\" height=\"480\" srcset=\"https:\/\/www.textile-forum-blog.org\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/clairezeisler19781.jpg 754w, https:\/\/www.textile-forum-blog.org\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/clairezeisler19781-282x300.jpg 282w\" sizes=\"auto, (max-width: 452px) 100vw, 452px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1548\" class=\"wp-caption-text\">Claire Zeisler: Fiber sculpture, 1978<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>DIE EXPLOSIONSARTIGE NACHKRIEGSENTWICKLUNG<\/strong><br \/>\nWir sehen die Anf\u00e4nge in den USA. Beim Nachlesen der Texte z. B. von Claire Zeisler (1903-1991)<strong>1)<\/strong>, bedeutete f\u00fcr sie die Arbeit in Textil eine neue Freiheit, die sich am bestehenden Kunstestablishment vorbei auf die altperuanische Weberei bezog.<br \/>\nDie erste Arbeit mit komplett sichtbarer Kette hie\u00df \u201eSpace Hanging\u201c und war 1953 bei Lyn Alexander entstanden. Lenore Tawney (1907-2007), die neben Claire Zeisler, der noch lebenden Sheila Hicks (*1934) und anderen 1964 im Z\u00fcrcher Museum f\u00fcr Angewandte Kunst unter dem Titel \u201eWoven Forms\u201c erstmals in Europa ausgestellt hatte, war 1954 von der Bildhauerei zum Weben gewechselt. Sie fand \u00fcbrigens erst 1975 Eingang in die 7. Lausanne-Biennale und stellte 1983 auf der 11. Biennale ein letztes Mal aus: eine Arbeit mit von der Decke h\u00e4ngenden F\u00e4den, genannt \u201eCloud Labyrith\u201c.<br \/>\nDie Weberin und Buchautorin Ruth Kaufmann bemerkt in ihrem Buch \u201eThe New American Tapestry\u201c aus dem Jahre 1968 <strong>2)<\/strong>, dass in jener Zeit eine Lust am Abenteuer vorherrschte. Mit Blick aufs Bauhauserbe schrieb sie: \u201eDas Bauhaus vereinte den Geist des Experimentierens mit dem freien Spiel und einem sorgf\u00e4ltigen Studium der Eigenschaften des Mediums\u201c. Bemerkenswert an diesem Buch, das mich als junge Weberin inspirierte, ist die Tatsache, dass die Autorin, die nach dem Kriege aufbrechende, zumeist weiblich getragene, Weberei wie auch die Lausanner Biennale-Organisatoren unter dem Begriff Tapisserie subsumierte, obgleich die gezeigten Arbeiten nichts mit dieser kartongesteuerten Entwurfstechnik zu tun hatten. Kaufmann hatte als Deutsche in Berlin studiert, war 1938 nach England emigriert und 1947 nach New York gekommen. Das damalige europ\u00e4ische Selbstverst\u00e4ndnis der Kunstgeschichtler, dass alles Textile mit Tapisserie zu tun habe, erreichte so auch die Neue Welt.<br \/>\nEs gab in den USA schon sehr fr\u00fch Ausstellungen, die das Interesse f\u00fcrs Textile anregten, so z. B. 1956 \u201eTextiles\u201c im New Yorker Museum of Modern Art, mit auf die Industrieprodukte gerichteten Exponaten, aber auch einigen St\u00fccken von Kunsthandwerkern, u. a. von Jack Lenor Larsen, der sich zwischen diesen Welten bewegte. Noch bevor sie in Z\u00fcrich gezeigt wurde, hatte die Ausstellung \u2018Woven Forms\u2019 1963 ihre Premiere im Museum of Contemporary Crafts mit f\u00fcnf Teilnehmerinnen: Lonore Tawney, Alice Adams, Sheila Hicks, Dorian Zachai und Claire Zeisler. Im Jahre 1969 fand wieder im Museum of Modern Art die Ausstellung \u201eWall Hangings\u201c statt, ausgerichtet von Mildred Constantine und Jack Lenor Larsen. Vorgestellt wurden europ\u00e4ische und amerikanische Textilk\u00fcnstler.<\/p>\n<p><strong>DIE ANF\u00c4NGE IN EUROPA<\/strong><br \/>\nBetrachtet man die Zeit nach dem 2. Weltkrieg, so gab es in vielen L\u00e4ndern eine R\u00fcckbesinnung auf die Volkskunst,<br \/>\nso z. B. in Osteuropa und Skandinavien.<br \/>\nIn Westeuropa waren L\u00e4nder wie Deutschland und \u00d6sterreich von der Blut- und Bodenideologie der Nazizeit beschwert und in Frankreich lastete eine staatlich-konservative Kulturauffassung auf dem Land. Andere L\u00e4nder, wie z. B. die Niederlande, folgten den Entwicklungen in Nordamerika oder erlebten einen Aufbruch wie Gro\u00dfbritannien. Dort erneuerte sich die Textilkunst st\u00e4rker auf dem Gebiet der Stickkunst und entwickelte sich dieser Zweig an den besten Universit\u00e4ten zur Studiokunst.<br \/>\nNat\u00fcrlich hatten die Biennalen von Lausanne seit 1967 gro\u00dfen Einfluss auf die textilen K\u00fcnste Europas. Es entstanden nacheinander in den verschiedensten L\u00e4ndern Biennalen oder Triennalen. Die niederl\u00e4ndische Biennale \u201eWerken in Textiel\u201c fand von 1968 bis 1973 dreimal statt. Die \u201eExhibition of Miniature Textiles\u201c in London, die zwischen 1974 und 1982 viermal ausgerichtet wurde, als Alternative zur f\u00fcr K\u00fcnstler kostspieligen Lausanne-Biennale, wurde von 1976 bis 1983 f\u00fcnfmal von der \u201eNordisk Triennial\u201c in Skandinavien gefolgt und sehr sp\u00e4t, von 1978 bis 1990, folgte die \u201eBiennale der deutschen Tapisserie\u201c mit f\u00fcnf Veranstaltungen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1538\" aria-describedby=\"caption-attachment-1538\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1538\" alt=\"Magdalena Abakanowicz: \" src=\"https:\/\/www.textile-forum-blog.org\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/Red-abacan_small.jpg\" width=\"500\" height=\"475\" srcset=\"https:\/\/www.textile-forum-blog.org\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/Red-abacan_small.jpg 500w, https:\/\/www.textile-forum-blog.org\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/Red-abacan_small-300x285.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1538\" class=\"wp-caption-text\">Magdalena Abakanowicz: &#8220;Abacan Red&#8221;, 1969, 400 x 400 x 350 cm, shown at the 4th Lausanne Biennial<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die L\u00e4nder hinter dem Eisernen Vorhang hatten ihre eigenen Schaufenster zur internationalen Textilkunst: 1972 startete die \u201eInternationale Triennale der Tapisserie\u201c in Lodz, im polnischen Zentrum der Textilindustrie. Diese Triennale existiert noch immer und richtet 2013 ihre 14. Auflage aus. 1975 war in der ungarischen Stadt Szombathely eine internationale Miniaturtextil-Biennale entstanden, die immer zusammen mit einer nationalen Tapisserieausstellung stattfand und zeitweise eine imposante Verbreitung fand. Nach der politischen Wende in Osteuropa wird diese Veranstaltung ab 2003 als Triennale weitergef\u00fchrt.<br \/>\nDie Idee der Mini-Ausstellungen hat sich durchgesetzt. 1984 entstand in Strasbourg eine solche, die ab 1993 in Angers fortgesetzt wurde mit der 10. Auflage im Dezember dieses Jahres fortgesetzt wird. In Como begann der italienische Architekt Mimmo Totaro 1991 seine j\u00e4hrlich stattfindende internationale \u201eMiniartextil\u201c, die am 6. Oktober 2012 zum 22. Mal stattfindet und sich mit zus\u00e4tzlichen K\u00fcnstlereinladungen zur bedeutendsten Ausstellung ihrer Art etabliert hat.<\/p>\n<p><strong>TEXTILKUNST: ANDAUERN DER AMBIVALENZ<\/strong><br \/>\nDie Entwicklung der Lausanne-Biennalen und ihr Ende hatten gezeigt, dass das Denken entlang der Tapisserietradition mit Blick auf die Kunstszene in einer Sackgasse endet. In Lausanne hatte man die Erfahrung machen m\u00fcssen, dass f\u00fcr einige K\u00fcnstler das Ausstellen zum Selbstzweck geworden war. Aus einem Gespr\u00e4ch mit Rebecca Medel aus den USA erfuhr ich, dass sie sich als gr\u00f6\u00dften Erfolg ihrer Kunst ein Museum vorstellte, das um ihr auf der 14. Biennale von 1989 vorgestelltes Werk herum konzipiert sei! Ich hatte sie zu meinem Erstaunen zu dieser Aussage animiert, weil ich von dem Werk \u201e1000 Kannons\u201c fasziniert war, nur mir die Arbeit derart raumf\u00fcllend vorkam, dass mir ein ad\u00e4quater Standort nicht eingefallen war.<br \/>\nIch hatte schon damals mit vielen anderen Besuchern die Sorge, dass die Ausschreibungen zu den Biennalen am Wesen der Textilkunst vorbei gingen. Denn der Motor, der die textilen K\u00fcnste antreibt, sind neben den Zielen, Sorgen und Hoffnungen der Gesellschaft, in der sie stattfinden, die Innovationen in Material und Technik, in der sich diese Gesellschaft zurechtfinden muss. Das Besondere bei Textil und Architektur ist die Auseinandersetzung mit diesen (jeweils neuen) Begebenheiten in ver\u00e4nderten Lebenslagen.<br \/>\nWir schrieben 1989 nach einer der fr\u00fchen Messen f\u00fcr technische Textilien in Frankfurt\/Main mit Erstaunen, dass wir dort keine Textilk\u00fcnstler und -designer angetroffen hatten. Denn bereits seit einigen Jahren waren eine Reihe wichtiger Neuerungen bekannt, die Michel Thomas schon 1985 in dem Buch \u201eL\u2019Art Textile\u201c<strong>3)<\/strong> veranlasst hatte, von einer digitalen Perspektive der Textilkunst zu schreiben.<br \/>\nZuerst wurde man in England auf die neuen Entwicklungen aufmerksam. Im Herbst 1994 zeigte der britische Crafts Council die Ausstellung \u201eTextilien und neue Technologie 2010\u201c, organisiert von Sarah Braddock und Marie O\u2019Mahony, mit einem zur damaligen Zeit viel beachteten Katalog, dem 1998 das Buch \u201etechno textiles\u201c folgte <strong>4)<\/strong>. Inzwischen ist dieses Gebiet zu einem Modethema geworden und hat von daher bereits wieder einen Teil seiner Wirksamkeit eingeb\u00fc\u00dft.<br \/>\nAuf der Messe Techtextil sahen wir auf fast allen textilen Teilbereichen faszinierende Neuentwicklungen, die erkennen lassen, dass wir einer Renaissance des Textilen entgegen gehen, was wir im \u2018Manifest\u2019 des 1991 neu gegr\u00fcndeten Europ\u00e4ischen Textil-Netzwerks (ETN) auch zum Ausdruck brachten. Diese alle zwei Jahre stattfindende Messe zeigt in Frankfurt und in den USA immer wieder neue Material- und Technologieentwicklungen, die von der kreativen Zunft der Textiler noch nicht einmal wahrgenommen werden, weil der Industrie der Kontakt zu den K\u00fcnstlern abgeht und die K\u00fcnstler Neuerungen auf ihrem Gebiet nicht sehr engagiert suchen. Es geht ihnen wie den Architekten im 19. Jh., die neugotische Rath\u00e4user und Empire-Bahnh\u00f6fe entwarfen als die Ingenieure l\u00e4ngst mit Konstruktionen aus Beton, Stahl und Glas besch\u00e4ftigt waren.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1539\" aria-describedby=\"caption-attachment-1539\" style=\"width: 446px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-1539  \" alt=\"Lia Cook: \" src=\"https:\/\/www.textile-forum-blog.org\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/14_042-928x1024.jpg\" width=\"446\" height=\"491\" srcset=\"https:\/\/www.textile-forum-blog.org\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/14_042-928x1024.jpg 928w, https:\/\/www.textile-forum-blog.org\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/14_042-272x300.jpg 272w, https:\/\/www.textile-forum-blog.org\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/14_042.jpg 1071w\" sizes=\"auto, (max-width: 446px) 100vw, 446px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1539\" class=\"wp-caption-text\">Lia Cook: &#8220;Crazy Quilt: Royal Remnants II&#8221;, shown at the 14th Lausanne Biennial<\/figcaption><\/figure>\n<p>Lange vor dem Ende der Biennale hatte ein Aufschwung in der Jacquardweberei sogar schon unter Textilk\u00fcnstlern stattgefunden. Die Webdozentin Alice Marcoux berichtete \u00fcber ein Jacquardprojekt an der New Yorker Rhode Island School of Design, dessen Ergebnisse im M\u00e4rz 1982 im Cooper-Hewitt-Museum ausgestellt waren und an dem namhafte amerikanische Textilk\u00fcnstler teilgenommen hatten <strong>5)<\/strong>. Nicht zu vergessen ist die Schau \u201eTextyles 1987\u201c in Paris, in der die franz\u00f6sische Textil- und Modeindustrie erstmals einem breiten Publikum unter dem Motto \u201eDie Mode, eine Spitzenindustrie (La mode, une industrie de pointe)\u201c ihre neuen M\u00f6glichkeiten pr\u00e4sentierte<strong> 6)<\/strong>. 1991 hatte ich selbst im Rahmen unserer Kunst + Industrie-Projekte, teilweise mit denselben K\u00fcnstlern, Untersuchungen an elektronisch gesteuerten Produktionsmaschinen in einer deutschen Weberei durchf\u00fchren lassen, das den Teilnehmern die neuen Gestaltungsm\u00f6glichkeiten vor Augen f\u00fchrte <strong>7)<\/strong>.<br \/>\nAuf den Gebieten der Stickerei und des Textildrucks fanden in den 1980er Jahren weitere internationale Projekte und Konferenzen statt, die das Blickfeld weniger Textilk\u00fcnstler auf die Zukunft der Textilkunst erweiterten<strong> 8)<\/strong> und die an den parallel verlaufenden Lausanne-Biennalen vorbeigingen.<\/p>\n<p><strong>AUSBLICK<\/strong><br \/>\nAls interessierter Betrachter der Textilkunstentwicklung braucht man Geduld. Es hat schlie\u00dflich ein Jahrhundert gedauert, bis auch die Architekten mit den neuen Materialien und Techniken vertraut wurden.<br \/>\nDer Boden f\u00fcr das Neue entsteht aus der Gesellschaft als Ganzer. Der Blickwinkel Aller muss sich erst \u00e4ndern und die Wortf\u00fchrer m\u00fcssen erst die neuen Ph\u00e4nomene zu benennen lernen, dass die K\u00fcnstler daf\u00fcr Formulierungen, d. h. Formen, ersinnen k\u00f6nnen.<br \/>\nEs w\u00fcrde helfen, wenn weitblickende F\u00f6rderer der K\u00fcnste, Wissenschaftler, Kunstpromotoren, Ausstellungsorganisatoren und Sponsoren f\u00fcr Gelegenheiten sorgten, den Weg der K\u00fcnstler zu begleiteten, um deren riskante Suche nach neuen Formen zu unterst\u00fctzen. Denn der Wandel der Formen, der erfolgen muss,<br \/>\nist nicht allein Sache der K\u00fcnstler.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1546\" aria-describedby=\"caption-attachment-1546\" style=\"width: 569px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1546\" alt=\"Exosketeton;  photo  \u201aAdvanced Textiles for Health and Wellbeing\u2018 (s. TF 3\/2011, S. 45) Science and engineering: Prof. Dava Newman, MIT; Design Guillermo Trotti\" src=\"https:\/\/www.textile-forum-blog.org\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/Dava_Neuman.jpg\" width=\"569\" height=\"570\" srcset=\"https:\/\/www.textile-forum-blog.org\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/Dava_Neuman.jpg 569w, https:\/\/www.textile-forum-blog.org\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/Dava_Neuman-200x200.jpg 200w, https:\/\/www.textile-forum-blog.org\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/Dava_Neuman-300x300.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 569px) 100vw, 569px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1546\" class=\"wp-caption-text\">Exosketeton; photo \u201aAdvanced Textiles for Health and Wellbeing\u2018 (s. TF 3\/2011, S. 45) Science and engineering: Prof. Dava Newman, MIT; Design Guillermo Trotti<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Anmerkungen<\/strong><br \/>\nDieser Text ist in <a href=\"http:\/\/www.tfs-etn.com\/shop\/magazines\/2012_3g.php\">TEXTILFORUM 3\/2012<\/a> erschienen.<br \/>\n<strong>1)<\/strong> Archives of American Art, Oral History, Interview mit Claire Zeisler im Juni 1981,<a href=\"http:\/\/www.aaa.si.edu\/collections\/interviews\/oral-history-interview-claire-zeisler-12076\"> http:\/\/www.aaa.edu\/collections\/interviews\/oral-history-interview-claire-zeisler-12076<\/a><br \/>\n<strong>2)<\/strong> Ruth Kaufmann, <a href=\"http:\/\/www.abebooks.com\/new-American-tapestry-Kaufmann-Ruth-Reinhold\/12663697761\/bd\">\u201eThe New American Tapestry\u201c, Reinhold Book Corp.<\/a>, New York 1968<br \/>\n<strong>3)<\/strong> Michel Thomas, Christine Mainguy u. Sophie Pommier, <a href=\"http:\/\/www.abebooks.co.uk\/book-search\/author\/mainguy-thomas\/\">\u201eL\u2019art Textile\u201c, Skira, Genf 1985, ISBN 2-605-00068-0 <\/a>\u2013 M. Thomas gab zu jener Zeit die Zeitschrift Textile\/Art heraus.<br \/>\n<strong>4)<\/strong> Sarah Braddock und Marie O\u2019Mahony, \u201e<a href=\"http:\/\/www.abebooks.de\/servlet\/BookDetailsPL?bi=1375556237&amp;tab=1&amp;searchurl=bsi%3D0%26amp%3Bds%3D30%26amp%3Bisbn%3D9781874056089\">Textiles and New Technology 2010\u201c, Artemis, London 1994<\/a> und \u201e<a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/s\/ref=nb_sb_noss?__mk_de_DE=\u00c5M\u00c5\u017d\u00d5\u00d1&amp;url=search-alias%3Dstripbooks&amp;field-keywords=ISBN+0-500-23740-9&amp;rh=n%3A186606%2Ck%3AISBN+0-500-23740-9\">techno textiles-Revolutionary Fabrics for Fashion and Design<\/a>\u201c, Thames &amp; Hudson, London 1998, ISBN 0-500-23740-9<br \/>\n<strong>5)<\/strong> Bericht in <a href=\"http:\/\/www.tfs-etn.com\/shop\/magazines\/1984_1g.php\">TF 1\/1984,<\/a> S. 29-31, Teilnehmer u. a. Lia Cook, Fran\u00e7oise Grossen, Gerhard Knodel, Ed Rossbach, Cynthia Schira<br \/>\n<strong>6)<\/strong> Michel Thomas ver\u00f6ffentlichte in seiner Zeitschrift \u201eTextile\/Art Industries\u201c den Katalog dieser Ausstellung der Cit\u00e9 des Sciences et d\u2019Industrie<br \/>\nin der Jan.\/Febr. 1987-Ausgabe<br \/>\n<strong>7)<\/strong> Bericht in <a href=\"http:\/\/www.tfs-etn.com\/shop\/magazines\/1991_3g.php\">TF 3\/1991<\/a>, S. 25-40; Teilnehmer Lia Cook, Sheila O\u2019Hara, Hanns Herpich, Patricia Kinsella und Cynthia Schira<br \/>\n<strong>8)<\/strong> U. a. die 1989 stattgefundene internationale Konferenz f\u00fcr Textildruck \u201ePrinTX\u201989\u201c in Helsinki und des Stickworkshops mit US-amerikanischen und einer britischen K\u00fcnstlerin\/nen in der ZSK-Stickmaschinenfabrik in Krefeld\u00a0(s. <a href=\"http:\/\/www.tfs-etn.com\/shop\/magazines\/1989_4g.php\">TF 4\/1989<\/a>, S. 26-34).<\/p>\n<p>Weitere empfohlene Literatur: \u201c<a href=\"http:\/\/www.abebooks.de\/buch-suchen\/isbn\/9780442216344\/seite-1\/\">Beyond Craft: The Art Fabric, Mildred Constantine \/ Jack Lenor larsen<\/a>; Van Nostrand Reinhold, New York, 1973; ISBN 0-442-21634-3<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt kaum einen schillernderen Begriff als den der TEXTILKUNST! 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