{"id":1348,"date":"2014-04-27T14:49:40","date_gmt":"2014-04-27T13:49:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.textile-forum-blog.org\/?p=1348"},"modified":"2014-04-27T16:33:18","modified_gmt":"2014-04-27T15:33:18","slug":"bibliographica-textilia-historiae","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.textile-forum-blog.org\/de\/2014\/04\/bibliographica-textilia-historiae\/","title":{"rendered":"Bibliographica Textilia Historiae"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-1352\" alt=\"TextiliaA\" src=\"https:\/\/www.textile-forum-blog.org\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/TextiliaA.jpg\" width=\"209\" height=\"300\" \/>Seth Siegelaub; International General, New York\/Amsterdam 1997; 415 S., 35 Illustrationen, Text auf Englisch.<br \/>\nVor 17 Jahre war diese Bibliographie unter geringer Anteilnahme der \u00d6ffentlichkeit erschienen, die seit 2012 nach der Ausstellung \u201e<a href=\"http:\/\/www.ravenrow.org\/exhibition\/the_stuff_that_matters\/\">Stuff Matters<\/a>\u201c mit historischen Textilien aus der Sammlung des in 2013 verstorbenen Autors bei Raven Row in London als Vorl\u00e4ufer der aktuellen Schwemme mit textilen Objekten in Kunstausstellungen ihre verdiente Aufmerksamkeit erhielt. Ich schrieb damals:<br \/>\nDiese neue, erstaunliche Bibliographie ber\u00fccksichtigt alle Facetten der Textilliteratur. Sie enth\u00e4lt \u00fcber 5.000 Titel von B\u00fcchern, Aufs\u00e4tzen, Dissertationen, Gesetzestexten etc. aus allen L\u00e4ndern der Welt, vom Ende des 15. Jh. bis heute. Es finden sich hier Literaturhinweise zu gewebten Textilien, zu Textildruck, Stickerei, Spitzen, Tapisserie, Teppichen, aber auch zur Fasertechnologie und F\u00e4rberei, zu Musterb\u00fcchern und zur Kost\u00fcmkunde, um nur einige Gebiete herauszugreifen.<br \/>\nDem Autor ging es bei seiner Titel-Sammlung um die Erschlie\u00dfung der Textilliteratur in den Bereichen Kunst, Kunsthandwerk und Technik, sowie um die Erleichterung des Studiums der Bedeutungen, die Textilien in sog. primitiven Gesellschaften, in der Antike, im Mittelalter und von der Renaissance bis in die Zeit der Industrialisierung hatten. Die Bibliographie ber\u00fccksichtigt demzufolge auch die \u00f6konomischen und sozialen Aspekte der Textilherstellung.<br \/>\nSiegelaub bemerkt in der Einf\u00fchrung, da\u00df ihm keine Literaturzusammenstellung bekannt ist, die alle textilen Aspekte zusammenbringt. Diese Arbeit scheint jetzt erstmals von der 1986 gegr\u00fcndeten CSROT-Stiftung (Center for Social Research on Old Textiles) in Angriff genommen zu werden. Jedenfalls verf\u00fcgt die Bibliothek dieser in Amsterdam ans\u00e4ssigen privaten Stiftung \u00fcber viele der verzeichneten Titel. Der Autor hatte \u00fcberdies noch sehr eng mit den Bibliotheken des Amsterdamer Rijksmuseum, des Victoria &#038; Albert Museum in London und des Centre Pompidou in Paris zusammengearbeitet. Schlie\u00dflich erg\u00e4nzte er seine Sammlung durch intensive Internet-Rercherchen.<br \/>\nSeth Siegelaub erkl\u00e4rte mir telefonisch, da\u00df er langfristig an die Herausgabe eines Atlas der Textilgeschichte denkt. &#8211; Er nennt das vorliegende Buch \u2018Die erste allgemeine Bibliographie\u2019 und verbindet mit der Ver\u00f6ffentlichung die Hoffnung, weitere Interessenten zu finden, die seine Sicht auf die Materie teilen und mit ihm zusammenarbeiten wollen. Hierbei betont er immer wieder den notwendigen Blick auf die Zusammenh\u00e4nge zwischen \u00f6konomisch, sozial und kulturell orientierter Literatur, die speziell f\u00fcr die Zeit zwischen Mittelarlter und Neuzeit die Verh\u00e4ltnisse in der Arbeitswelt, mit ihren technologischen Entwicklungen, aufkl\u00e4rt.<br \/>\nBis zur Jahrtausendwende soll ein zweiter Band mit klassifizierten Titeln in f\u00fcnf Kapiteln erscheinen. Dar\u00fcberhinaus soll die CSROT-Bibliothek \u00f6ffenlich zug\u00e4nglich gemacht werden. Bislang besteht nur ein Kopier- und Film-Dienst. Die Bibliothek war urspr\u00fcnglich auf Orientteppich-Literatur spezialisiert und zog erst Ende der 80er Jahre von New York nach Amsterdam um. Das erk\u00e4rt vielleicht, da\u00df ich ihre Existenz, trotz meiner 20j\u00e4hrigen verlegerischen T\u00e4tigkeit, erst jetzt wahrnehme.<br \/>\nDie Lekt\u00fcre der Einleitung des Buches wird so manchen Leser in seiner Erfahrung best\u00e4tigen. Siegelaub hat erleben m\u00fcssen, da\u00df sich die Pflege des textilen Literaturerbes zumeist in erzkonservativen H\u00e4nden befindet. Er erk\u00e4rt sich das Ph\u00e4nomen historisch: Die textile Geschichtsschreibung war lange kirchlich dominiert und hatte sp\u00e4ter teilweise eine kommerzielle Orientierung (Die ersten Museen f\u00fcr Angewandte Kunst waren \u2018Wunderkammern\u2019 oder Mustersammlungen f\u00fcr die Produktion). Die wissenschaftliche Betreuung lag in der Obhut der europ\u00e4ischen Oberschichten. Die Geschichtsschreibung \u00fcber die Seide hatte Vorrang. Grob gesagt n\u00e4hrte sich das Interesse an Textil aus dreierlei Richtungen, 1. aus der Zivilisationsgeschichte der Seide als dominantem Thema, 2. aus der Arch\u00e4ologie und 3. aus der Ethnographie. Nur aus letzterer Richtung resultierte ein gewisses Interesse an unterprivilegierter Kultur, an sog. Gebrauchskultur.<br \/>\nBis heute leidet die textile Geschichtsschreibung an der Zersplitterung in voneinander isolierte Interessengebiete. Umso mehr verdient die Arbeit des Autors und der CSROT-Stiftung unsere Aufmerksamkeit und Unterst\u00fctzung. Das vorliegende Werk darf in keiner wissenschaftlichen Bibliothek fehlen. B. Sterk<br \/>\n<strong>Anmerkung<\/strong><br \/>\nDas Buch habe ich in der Zeitschrift <a href=\"http:\/\/www.tfs-etn.com\/shop\/magazines\/1997_4g.php\">TEXTILFORUM 4\/97<\/a> (Seite 46) vorgestellt.<br \/>\n<strong>Hinweis<\/strong>:Mehr \u00fcber das Buch auf der Website der <a href=\"http:\/\/egressfoundation.info\/\">Egress Foundation<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seth Siegelaub; International General, New York\/Amsterdam 1997; 415 S., 35 Illustrationen, Text auf Englisch. 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